Samstag, 13. April 2013

BANDWEBEREI - TRADITION & FASZINATION

Heute möchte ich euch mitnehmen in eine Bandweberei.
Besser gesagt in die "Bandweberei Kafka" in Wuppertal.
Hier werden sowohl nach alten als auch nach neuen Entwürfen Bänder gewebt.


In dem Backsteingebäude im Hintergrund befindet sich die Weberei. In dem mit Schieferplatten getäfelten Haus befindet sich die Geschäftsstelle, Verwaltung und der Verkaufsraum der Bandweberei Kafka.


Die Firmenbesitzerin führte uns in den unteren Raum der Weberei.
Eng ist es hier, uralte Riesen stehen dicht an dicht. Für mich sind diese Bandwebstühle Wunder der Handwerkstechnik. 


Oben auf dem hohen Webstuhl sitzt die "Kommandozentrale" des Webstuhls. Ein Lochkartensystem reguliert, wann welcher Litzen unten welchen Kett - Faden anhebt, damit das Muster entsteht. Es gibt nicht einmal mehr eine Handvoll Hersteller in Deutschland, die noch neue Lochkarten für neue Muster prägen können. Aussterbende Handwerkskunst.


Zum Verständnis ein bisschen Weber-Latein:
Auf dem nächsten Bild seht ihr die vielen Litzen, die von oben nach unten laufen, jedes Bündel führt zu einem Band, bzw. zu den Kettfäden eines Bandes und jede einzelne Litze kann für ihren Kettfaden bestimmen, wann dieser hochgezogen werden soll. Jeder Kettfaden läuft durch seine eigene Litze. Der Kettfaden ist der Faden, der waagerecht liegt und der auch bei einem ganz einfachen Kinderhandwebrahmen gehoben wird. Also die Fäden, die als erstes aufgespannt werden.Viele Kettfäden sind die "Kette". Der Faden, der hindurch geschoben wird nennt man den "Schuss(faden)", denn bei einem Webstuhl geht das auch wie geschossen schnell. Das Gerät, dass die Garnspule hält, die durch die Kette sehr schnell "geschossen" wird, nennt man passenderweise den Schützen. Bei Handwebstühlen, die nicht mit einem Schnellschuss arbeiten, nennt man dieses kleine Gerät "Schiffchen", weil seine Form an ein kleines Boot erinnert.


Kleine Schnellschützen sind neben jeder Kette angebracht. Sie kommen, je nach dem welche Farbe gebraucht wird, zum Einsatz. So entstehen auf einem breiten Webstuhl mehrere Bänder gleichzeitig.
Vorne sieht man das gewebte Band. Es läuft nach unten und wird auf dem "Warenbaum" aufgewickelt.


Hier noch mal zusammen: von oben kommen die "Litzen", welche die Kettfäden heben. Darunter sieht man die vielen kleine Schützen und wenn man genau hinschaut auch die Bänder... eins ist grün, die daneben sind beige und rot.




Die Kettfäden der Bänder sind auf großen Rollen aufgewickelt, sie müssen absolut gleichmäßig gespannt sein und werden nach vorne zum sogenannten Warenbaum geleitet. Also dahin, wo das fertig gewebte Band aufgewickelt wird. Auf diesem Weg von hinten nach vorne wird jeder Kettfaden durch seine eigene Litze geführt. Die dann wiederum, wie beschrieben, im richtigen Moment den Kettfaden hebt, wenn der Schussfaden drunter her geführt werden soll.
Ganz schön kompliziert, oder?
Aber im Grunde basiert es auf dem Prinzip, das ihr vielleicht alle von den einfachen Kinderwebrahmen her kennt. Durch das Heben bestimmter Kett - Fäden und das Hindurchschieben eines Schussfadens entsteht ein Gewebe, ein Stoff oder ein Band. Wenn einzelne Kettfäden gehoben werde, andere nicht, dann entsteht das sogenannte "Fach", durch das der Schussfaden geführt wird.
Die Farben der Kettfäden und der Schussfäden gestalten das Design,
ebenso wie das Webmuster, die Abfolge der Hebungen der Kette.
So hat ein Geschirrtuch meistens eine einfach "Leinwandbindung" (über eins, unter eins, wie beim Kinderweben, in der nächsten Reihe versetzt) eine Jeans hat eine "Köperbindung" (über zwei, unter eins und in der nächsten Reihe das ganze versetzt)


Wie das mit diesem feinen Material umgesetzt wird, ist absolut faszinierend. Feinste Garne in den schönsten Farben... es dauert mehrere Tage, bis ein Webstuhl für ein neue Bänder neu "eingerichtet" ist, d. h. bis die neuen Kettfäden, die dazugehörigen Litzen und die neuen Lochkarten zusammen vorbereitet sind.
Die Maschinen sind schwer. Der Boden ist in kurzen Abständen mit Stahlträgern stabilisiert, denn die Webstühle vibrieren stark beim Weben. Ausserdem muss man mit Lärmschutz arbeiten, weil es einen Höllenlärm macht, wenn die Webstühle laufen.


 Ich habe mich sehr gefreut, dass sich die Besitzerin der Bandweberei die Zeit genommen hat, unser kleine Schar Interessierter persönlich durch ihre Weberei zu führen, uns einen Einblick in diese Welt zu vermitteln und uns etwas aus der Firmengeschichte zu erzählen!


In der unteren Etage der Villa befindet sich der Verkaufsraum der Bandweberei. Hier ist die große Auswahl der Bänder zu bestaunen und zu kaufen! Bei einer Tasse Kaffee und ein paar Keksen lässt dich der Einkauf mit allen Sinnen genießen...
Wenn ihr wissen wollt, welche Bänder die Weberei Kafka webt, dann folgt dem Link unten.
Man kann die Bänder auch im Online -Shop anschauen und bestellen.
Aber ein Besuch in dieser Weberei lohnt sich. Zu welchen Zeiten die Weberei Besuchern offen steht, erfahrt ihr ebenfalls auf der homepage.


Ich hoffe, ihr seid neugierig geworden, dann stöbert in der homepage der Weberei...
ich habe mir bei meinem Besuch auch einige Meterchen mitnehmen müssen, 
ich hüte sie wie einen Schatz und hier und da kamen sie schon zum Einsatz.
aber noch mehr Fotos zeige ich heute nicht : )

*
und nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende,
eure JULE
*

Kommentare:

  1. Wow, ich liebe ja alte Maschinen, die funktionieren und schöne Dinge "ausspucken". Ich werde mich gleich mal virtuell umsehen, was alles so schönes im Lager ist. Vielen Dank für diesen schönen Rundgang und viele Grüße Synnöve

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  2. Hallo Jule,
    das ist wirklich ein toller Post! Sehr interessant - wie schön, dass du mich mitgenommen hast. Vielen Dank!
    Ich bin beeindruckt! Hübsche Dinge entstehen da....Schade, dass solche Fabriken immer mehr von der modernen Industrie in die Knie gezwungen werden und weiter aussterben.
    Manch einer schafft es Gott sei Dank trotzdem zu überleben.
    Sonnige Wochenendgrüße
    Hanna

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  3. Oh, schade!!! Da lebte meine Tante sooo viele Jahre in Wuppertal und DAS hab ich nicht gewusst... So einen Rundgang hätte ich auch gern mal live gemacht! Aber nun werd ich eben mal auf der Homepage stöbern.

    Liebe Grüße
    Doro

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  4. Hallo Jule,
    das sind faszinierende Bilder. Im letzten Jahr waren wir in der Toskana im Da Vinci Museum. Dort waren ganz alte Stoffstücke mit eingewebten Blumenmustern aus Goldfäden. Ganz zart und filigran. Wir waren sehr beeindruckt!
    Aber Schnappatmung bekomme ich bei dem Haus mit den grünen Fensterläden!

    Grüßle
    Tanja

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  5. Hej Jule,
    da wäre ich auch nicht ohne Bänder rausgekommen :-)
    Vielen Dank für die interessanten Einblicke!
    Viele liebe Grüße
    Manuela

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  6. Du hast mir zwar schon davon erzählt, aber gucken war ich noch nicht. Wird jetzt nachgeholt, vielleicht ist ja ein feines Gitarrenband dabei? Danke für den Tipp.
    Nochmal allerliebste Wochenendgrüße!

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  7. Liebe Jule, ersteinmal ganz verwundert umgeschaut bei Dir. Alles Neu und fein auf Deinem Blog. Die Kafka Webbänder finde ich ganz zauberhaft, bin ein totaler Fan dieser nostalgischen und schönen Motive. Um so interessanter kann ich mir Euren Besuch in der Weberei vorstellen. Schön das Du uns davon hast ein wenig mit teilhaben lassen.


    LG

    Kristina

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  8. Mensch ist das toll...das würd ich auch gerne in "live" sehen!

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  9. Liebe Jule,
    was für ein besonders schöner Ausflug, herzlichen Dank!Ich glaube da wäre ich auch sehr gerne mal ;o)!Die allerschönsten Träume,Petra ♥

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  10. Dem link bin ich gerade doch mal gefolgt und ich glaube, da muss ich auch mal hin. Ist ja auch nicht weit weg, danke fürs zeigen
    LG von der Maus

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  11. ein seeeeehr schöner, interessanter und inspirierender post!!!
    herzlichste sonntagsgrüße & -wünsche an dich
    amy

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  12. Wow - das ist ja mal ein super interessanter Bericht. Sehr gerne wäre ich mit gewesen und hätte mir die Weberei angeschaut! Das wäre wirklich höchst interessant gewesen. So habe ich von Dir einen tollen "Vortrag" bekommen über die Bandweberei und ich hätte davon vieles nicht gewußt. Jetzt werde ich mir mal die Internetseite anschauen!
    Ganz liebe Grüße Tinki

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  13. Toll, dass es sowas noch gibt!
    Danke für den Bericht!
    lg barbara

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  14. uups, man kann sich bei Dir nur über blogger anmelden?
    dann eben mein link als ps. ;-)
    http://dramaqueenatwork.wordpress.com/

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  15. Danke für diesen Bericht. LG Ate

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    1. Danke! Ich freu mich, wenn der Post auch nach längerer Zeit noch gefunden und gelesen wird! liebe Grüße!

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