Montag, 15. April 2013

"Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen."

Eigentlich logisch. Ich möchte sogar sagen: klar, was hattet ihr denn gedacht?

Und wenn das stimmt, dann frage ich mich, was in diesem Sinne ein gutes Buch ist.

Ich denke, es ist nicht eines, in dem Heldensagen erzählt werden. 
Es darf nicht eindimensional erzählen, sondern muss ehrlich und lebendig sein.

Es müsste ein Buch sein, dass von der Neugier auf das Leben erzählt, vom Ausprobieren, vom Hinfallen, Scheitern und wieder Aufstehen. Von Trauer und Verletzung, von Heilung und von Freude.
Vom Staunen über das Leben und von der Erfahrung enttäuscht zu werden. Vom Suchen und Finden, vom Halten und Loslassen. ...

Bei ganz Vielem freue ich mich, dass es mein Sohn lesen konnte und lesen kann.  Ich konnte ihm meine Begeisterung weitergeben, die Faszination für bestimmte Dinge. Wir haben viele schöne  Zeiten miteinander erlebt und das hört auch hoffentlich nicht auf. 
Aber natürlich gibt es auch das andere. Ich war nicht immer glücklich über das, was in meinem Lebensbuch geschrieben steht. Ich war nicht immer glücklich, dass mein Sohn es lesen musste. Aber ein anderes Buch vom Leben seiner Mutter kann ich ihm  nicht anbieten. Und doch denke ich, dass er es liebt, wie er mich liebt, eben mit Ecken und Kanten. Ich hoffe, dass er manches im Nachhinein  besser verstehen wird, wenn er als Erwachsener darin zurück blättern kann. 

Und ich weiß noch nicht einmal, was auf den nächsten Seiten auf uns wartet...

Derjenige, der mir von diesem Zitat gestern erzählt hat, meinte, es habe ihm zunächst Angst gemacht. Was für eine Verantwortung! - Ich finde, es ist eine Herausforderung, aber eine sehr schöne. Mich fordert der Satz heraus, wahrhaftig zu sein, in dem was ich tue, wie ich mein Leben gestalte. Ich möchte, dass mein Sohn das lesen kann: meine Versuche im Leben wahrhaftig zu sein. 

Das Zitat ist schon sehr alt. Es stammt von Augustinus, 354 - 430.

Ich wünsche euch einen guten Start in die neue Woche - eure JULE




Kommentare:

  1. Hallo Jule,
    das ist ein ganz toller Post! Für mich/uns gerade sehr treffend!
    Danke dafür!

    Grüßle
    Tanja

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  2. Guten Morgen liebe Jule, ein wunderbarer Montagmorgen Post. Dem man so eigentlich gar nichts mehr hinzufügen muss.Für unserer Kinder ist es glaub ich das Wichtigste, uns mit allen Facetten kennenzulernen. Nicht nur in Freud und heiler Welt. Es stärkt sie für´s Leben und macht uns umso authentischer. Und all das werden sie in ihr Erwachsenendasein mitnehmen. Der Post hat wieder sehr berührt. Hab eine schöne Woche.

    LG

    Kristina

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  3. Das ist wirklich ganz wunderbar geschrieben. Die Gedanken werd ich noch eine Weile hin und herbewegen. Danke!

    Liebe Grüße!

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  4. Liebe Jule,
    das mit dem Buch ist ein schöner Vergleich. Und auch, wenn im Lebensbuch manches Negative oder nicht so Gelungenes steht, denke ich, dass auch diese Passagen sehr wichtig sind. Stell Dir nur mal vor, Du wärst in allem perfekt - wie schwer hätten es die Kinder, an solch ein Vorbild heranzukommen! Ich denke, es ist nicht so wichtig, perfekt zu sein und alles in der Erziehung "richtig" zu machen. Viel wichtiger ist es, zu zeigen, dass auch bei Erwachsenen nicht alles perfekt ist und dass man sich davon nicht unterkriegen lässt.
    Meine fünf Kinder sind mittlerweile alle erwachsen und wenn ich mich mit ihnen über ihre Kindheit unterhalte, bin ich immer wieder erstaunt, dass sie oft ganz andere Dinge als wichtig in Erinnerung behielten als ich.

    LG Rosi

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  5. Liebe Jule, dieses Zitat kenne ich auch. Und ja, es ist für mich schon auch manchmal beängstigend, welche Verantwortung wir als Eltern haben. Und die hört eigentlich nie auf... Ich hoffe und bete, dass wir unseren Kindern genug gute Seiten zum Lesen geben und die schwierigen Seiten keine Schäden hinterlassen. Trotzdem bin ich gern eine Vier-Kind-Mutter ☺

    Liebe ( und nachdenkliche) Grüße schickt dir Doro

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