Montag, 24. Juni 2013

MONTAGsGRUSS - WESEN







seltsame Wesen
entsteigen der jahrhunderte alten Wand
zeigen, verweisen,
und sind.
was wohl geschieht wenn am Abend
die Haustür ins Schloss fällt?
wispern,
knispern,
kichern,
schimpfen,
summen,
gurren,
gicksern 
sie dann?
steigen herab von der Wand
wandern durchs Zimmer?
und dann?
schlägt die Turmuhr  4 mal in der Früh
springen sie schnell zurück
an die Wand
verharren
als sei gar nichts ge-
Wesen...
*
Diese Wandel-Wesen kann man im "Haus Vier" in Nürtingen anschauen, in der Galerie-Werkstatt von
Sie ist Textilkünstlerin, Handweberin und mehr - auf ihrer Visitenkarte steht: Textilaktivistin, klingt gut, finde ich.
Ihre Werkstatt befindet sich in einem sehr alten und sehr schmalen Fachwerkhaus in der Altstadt von Nürtingen.
Unten, im Erdgeschoss steht der große Webstuhl, in den kleinen Räumen darüber stellt sie aus und hat ihr Atelier.


Darüber befindet sich sogar noch eine kleine, feine, ganz besondere Ferienwohnung.


Vor 16 Jahren durfte ich Tiina kennenlernen, als ich ein Semester textiles Gestalten an der freien Kunsthochschule in Nürtingen belegt habe. Eine kreative Zeit in unterschiedlicher Hinsicht, denn ich war damals mit meinem Sohn schwanger. Eine wertvolle, bis heute nachhaltige Zeit. Dann war mein Sohn da und ich konnte leider nicht weiter studieren. Auch wenn ich derzeit nicht in dem Maße kreativ oder künstlerisch arbeiten kann, wie ich es mir wünsche, so ist und bleibt das schöpferische Tun für mich eine Kraftquelle. Ohne diese Quelle würde ich eingehen wie ein Pflänzchen ohne Wasser. 
Ich freu mich, wenn ich hin und wieder einigen der Menschen aus dieser kleinen Studienzeit begegne und ich spüre: mit dieser Sache bin ich noch nicht ganz fertig, es zieht mich immer wieder - nicht zurück, aber vorwärts...

Die "Wesen" die ihr oben sehen könnt haben folgende Bewandtnis:
Als Tiina mit ihrem Mann damals das alte Haus renoviert hat, stießen sie beim Entfernen mehrere Schichten von alten Tapeten auf diese Wand und sie beschlossen, sie so zu belassen. Hier und da sind Tapetenreste von irgendwann, hier und da sieht man Holz von noch viel früher... Farbreste... eben eine Wand mit Eigenleben. Eine Wand wie eine Geschichte, die viel geatmet hat. Wenn Wände Ohren hätte, dann hätte sie viel gehört. Eine Wand, wie ein Gemälde, eine Wand, die auch immer wieder als Hintergrund für ausgestellte Werke dient. Jetzt ist sie gerade selber Mitwirkende in einem Werk, Theater, Collage, Choreografie...
Die Wesen sind aus den Blechmanschetten von Sektflaschen geschnitten, 
ein sehr beschwingtes Völkchen!

ich wünsch euch einen schönen Wochenanfang!
euer JULE
PS:
Mein Sohn hat mir neulich ein Zitat gemailt:
"Ein Leben für die Kunst ist niemals ein vergeudetes Leben."

JA!

Kommentare:

  1. Ich mag so alte Wände.
    Die erzählen so einiges.
    Man kann es hören.

    Wunderschön gestaltet.
    Und einfach wunderbar, welche kreativen Anlagen schlummern, die der Schöpfer versteckt hat, und die nur geweckt zu werden brauchen ... wie auch immer.

    Hab eine gute Woche!
    Und sei <3lichst gegrüßt.
    Gisa

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  2. absolut genial, die wandelwesen!!! bin begeister!!!!!! ;-))
    liebe grüße & wünsche an dich
    amy

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  3. So eine interessante Idee!
    Man sieht die kleinen Wesen förmlich :-)
    Ich glaube schon, dass Häuser Ohren haben,
    und dass sie Gefühle und Stimmungen speichern können.
    Bei alten Häusern kann man es fühlen. :-)
    Ganz viele liebe Grüße sendet dir Urte

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  4. Wie jetzt? Du warst in Nürtingen und hast nix gesagt :o)

    Die Wesen sind interessant! Am besten gefällt mir das oberste Bild!

    Grüßle
    Tanja

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  5. Sehr berührend - die Wesen und auch der Text dazu.
    Beim Betrachten der Fotos sehe ich immer mehr solcher Wesen, genauso wie ich sie in Fliesen, Holzmaserungen und Wolken finde. Eine eigene Traumwelt.
    Danke fürs Zeigen!

    LG Rosi

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  6. Was für eine besondere Idee! Häuser leben auf jeden Fall und könnten so interessante Geschichten erzählen....lg

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  7. ...was für eine Wand, liebe Jule!Also sowas hätte ich auch gerne hier ;o),aber ich glaube dann streikt der Herr des Hauses ;o)!Ich finde die Wand absolut genial und könnte sie wahrscheinlich stundenlang verträumt betrachten ;o).Die Geschichte dazu finde ich wundervoll und ich freue mich für dich, dass der Kontakt aus der damaligen Zeit immer noch besteht!Und deinem Sohn gebe ich vollkommen recht ;o)!Ganz viele, liebe,herzliche Grüße,Petra ♥

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  8. Liebe Jule,
    deshalb würde ich nie in einem neuen Haus wohnen wollen. Alte Mauern haben etwas zu erzählen, eine Geschichte, eine Vergangenheit und es ist so wunderbar auf diesen Spuren zu wandeln. Wenn es dann noch so allerliebst in Szene gesetzt wird wie an dieser Wand, bleiben keine Wünsche offen. Muss gleich mal hier die Wände abgucken, ob vielleicht auch so liebliche Feen im Haus sind .... Manchmal kommts mir ja so vor, vor allem kleine Liederlichfeen und Kleckerkobolde und Meckerzwerge ....
    Hab einen guten Abend und grüß den Ehemann von mir
    Liebe Rosaliegrüße

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  9. Liebe Jule,

    Danke fürs Mitnehmen nach Nürtingen an diesen besonderen Ort. Vielleicht schaffe ich es ja auch irgendwann einmal dorthin.

    Liebe Grüße
    und eine gute Woche
    Nula

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