Sonntag, 10. November 2013

Eile mit Weile

MONTAGsGRUSS

"Ma' eben" sagt man in meiner Westfälischen Heimat, "g'schwind"im Schwäbischen, "nur noch kurz" sagt das Gleiche aus. Ich geh noch g'schwind in den Keller, ich häng nur noch kurz die Wäsche auf, würdest du mir ma' eben dies oder jenes ....

Genug. Ab jetzt wird gestreikt.

Mir ist nämlich aufgefallen, wie häufig wir hier bei uns zu Hause die Dinge "g'schwind", "ma'eben" und"nur noch kurz" tun. Oder besser: gern tun würden.  "Ich bring noch kurz den Müll runter" - "Ich häng mal g'schwind die Wäsche auf." - 
Aber dann stelle ich fest: es braucht eben doch seine Zeit, es geht ja gar nicht "g'schwind".
Ich habe mich gefragt, was eigentlich hinter diesen eiligen Wörtern steckt.
Ist es so, dass ich die lästige Arbeit am liebsten Ruckizucki erledigt hätte? Klar, es gibt ja auch Schöneres als das Wäsche-aufhängen, das den-Müll-runter-bringen, das Staubsaugen und und und.
Das mach ich dann doch lieber "ma' eben" - wenn ich es schon machen muss. Und ich hoffe dabei, es verbraucht nicht so viel von meiner (freien) Zeit. Ausserdem sind es ja alles Tätigkeiten, die beinahe so nebenbei gemacht werden können. Oder etwa nicht? 
Ja, wenn es denn auch so wäre, wär's ja schön.
Doch leider, leider: alle diese Tätigkeiten brauchen nun einmal die Zeit, die sie brauchen. Ganz egal ob ich sie angeblich "nur noch kurz" oder  in normalem Arbeitstempo abarbeite. 
Und ich merke, dass mich diese eiligen Worte unter Druck setzten. Am Ende des Tages bin ich ein bisschen frustriert, denn was habe ich schon heute erledigt? Nur hier ein bisschen ma' eben und dort nur mal kurz und hier noch was g'schwind, was war denn das schon?
Darum sage ich seit einiger Zeit, ganz bewusst, möglichst nicht mehr "ma'eben", sondern ich hänge die Wäsche auf, solange, wie es braucht, bis der Korb leer ist und die Wäsche hängt. Wenn mein Mann "g'schwind" noch in den Keller geht, dann schick ich ihm ein liebevolles "lass dir die Zeit, die es braucht!" hinter her.
Ich bin zufriedener, es geht mir besser damit, wenn ich diese eiligen Worte ganz bewusst vernachlässige. Ich stelle fest, dass ich jetzt mehr bei dem bin, was ich tue. Nicht langsamer, aber bewusster. Und ich habe Zeit, das zu würdigen, was ich tue.


In diesem Sinne -
seid gut zu eurer Zeit-
denn sie gehört euch!


Kommentare:

  1. Das ist wahr. All diese Dinge brauchen Zeit, und mit dem "mal eben" werden sie herabestuft. Vielleicht hat gerade deshalb die Hausarbeit keine wirkliche Bedeutung in der Gesellschaft. Was eigentlich doch ziemlich schlecht ist...

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  2. Liebe Jule,

    deine Worte sind schon wahr, das Wort gschwind wird sicherlich oftmals einfach nur so gesagt und dabei brauchen viele Dinge eben ihre Zeit, ich sage auch ständig gschwind , aber ich habe mir darüber noch nie einen Kopf gemacht, denn ich bin jemand von der schnellen Truppe...

    Liebe Grüße
    Birgit

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  3. Danke für deine wahren Worte. Ich werde das auch mal ausprobieren.

    Liebste Grüße zu dir :-)

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  4. ...oh, du hast recht, Eile mit Weile, das hab ich mir mal eine Fastenzeit lang zum Vorsatz gemacht, aber wie schnell ist man wieder dabei ganz schnell noch was fertig zu machen, und der tag rauscht vorbei...schön, dass du mich daran erinnerst...
    herzlich, radattel

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  5. Eine schöne Idee, da werde ich mal drüber nachdenken und das auch mal probieren.
    Lieben Gruß von der Maus

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  6. Liebe Jule, du hast es so wunderbar formuliert, was mich auch umtreibt. Danke für diese schönen Zeilen und für die Erinnerung daran, täglich bewusst zu leben. Lg

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  7. wie recht du hast!!!
    deine worte nehme ich mit in die nun beginnende arbeitswoche und nehme mir vor darauf zu achten nichts "ma eben" zu erledigen, das wird sicher eine schöne und gute aufgabe... ;-) danke für den impuls!
    herzliche grüße & wünsche an dich
    amy

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  8. Liebe Jule,
    vielleicht geht es bei der Formulierung auch um Dinge, die wir eben selbst auch nicht wertschätzen, vielleicht, weil sie lästig sind? Oder wir wollen jemand anderen, der genervt ist, weil wir schon wieder dies oder das (telefonieren / am Rechner sitzen / beliebig ersetzbar) tun, beschwichtigen durch eine Aussage, die impliziert, dass die Geduld des Gegenübers nicht über Gebühr strapaziert werden wird?
    So oder so, das, was Freude macht, soll man auch mit Hingabe tun und nicht huschhusch.
    Dabei Dir viel Freude, sei gedrückt von Nina

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  9. Hach, liebe Jule,
    das hast du so schön geschrieben ;o)! Ich finde auch, dass den Wörtern Eine gewisse Hetze "mitinneliegt" und versuche sie wirklich zu vermeiden ;o)! Und merke, dass sich wenn ich es anders anpacke ein Gefühl von Ruhe in mir ausbreitet und ein Gefühl von " Gemächlichkeit" und ich trotzdem nicht mehr Zeit brauche ;o)...Und nach jedem bewussten staubsaugen,Wäsche waschen etc. sage ich zu mir : " Prima, hast du das auch erledigt !" und freue mich ;o)! Ich wünsche dir einen entspannten Abend und schicke dir ganz viele, liebe Grüße,Petra ♥

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  10. Liebe Jule - da sprichst du was an!
    Wir sprechen zwar nicht schwäbisch ;), sondern sächsisch :) - und da heißt es 'ich geh ma' fix' - 'ich mach ma' schnell' ...
    Eigentlich gräßlich.

    Und dann habe ich mir auch einmal diese Gedanken gemacht, dass alles eben seine Zeit braucht ...
    Nicht immer gelingt es mir, es in Ruhe zu tun, was zu tun ist - aber manchmal 'stoppt' etwas in mir und es wird mir bewusst, dass ich schon wieder hetze ...

    Danke für deinen frischen Impuls dazu!
    Tun wir doch wieder einmal ganz bewusst was wir tun.

    Von Herzen liebe Grüße in den Freitrag - ein schönes WE wünscht dir Gisa.

    PS: Der Link funktioniert jetzt - DANKE fürs Aufmerksammachen, ich hatten einen falschen Link eingegeben *peinlich* ...

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  11. Liebe Jule,
    ich statte dir nach langer Zeit mal wieder einen Besuch ab.Dein Header sieht sehr schön aus,ja und die Zeit,die ist oft"ganz schnell,mal eben"WEG.Man denkt sogarnicht darüber nach wie hektisch man etwas erledigt.Shön das du uns daran erinnert hast darüber nach zu denken.
    Ich wünsch dir am Wochenend eine entspannte ZEIT,alles liebe,
    Ulli

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