Montag, 25. November 2013

Notausgang




Ich mag ja gern erzählen. 
Von seltsamen Treffen in winterlichen Cafés,von Reisen und andren Dingen, Gestricktem, Genähtem und was weiß ich noch.
Heute erzähl ich euch von mir. Sehr persönlich.
Einige konnte es hier und da lesen: ich arbeite als Erzieherin, 100%.
Die letzten 5 Jahre habe ich einen Kindergarten geleitet. 
Es war eine Arbeit, die mir Freude gemacht hat, die aber doch immer mehr zur Belastung wurde. Ich habe zwar ein gutes Echo von den Eltern und vom Träger bekommen,war aber auf Dauer nicht glücklich. Immer wieder, immer häufiger kam ich an dem Punkt vorbei an dem die Frage stand: willst du wirklich was du da tust?
Immer wieder, erst leise, dann lauter kam meine Antwort kurz und bündig: nein.
In diesem Sommer habe ich die Reißleine gezogen.
Das Bild oben habe ich einen Tag danach, beim Lichterfest auf dem Stuttgarter Killesberg aufgenommen. Es passte zu meiner damaligen Situation so gut. 
Für Aussenstehende überraschend, für die Menschen, die mich wirklich begleitet haben verständlich, hab ich meine Chefin gebeten, mich gehen zu lassen. Hab eine unbefristete Stelle als Leitung gegen eine bis zum nächsten Sommer befristete Stelle als "Zweitkraft" in der Gruppe einer anderen Kigaleitung in einem andren Kiga angenommen. Karriereleiter 2 Schritte runter. Na sowas. Warum? 
Ich hatte im Frühjahr einen Satz im Internet gelesen:

Ask yourself if that what you are doing today is getting you closer to where you want to be tomorrow.

Nun kündige ich ja nicht, weil ich einen Satz im Internet gelesen habe. Aber er hat für mich den Nagel auf den Kopf getroffen und einen Anstoß gegeben. Denn die Frage, wo ich den eigentlich hin will, kam auf. Also habe ich mich wieder auf den Weg gemacht und bin eine Reisende geworden. Ich frage mich, wo hin die Reise geht. Das Ziel kristallisiert sich heraus, aber ich bin noch nicht angekommen. An meiner neuen Stelle kann ich schwerpunktmäßig mit Musik, Rhythmik und kreativem Gestalten arbeiten. Endlich habe ich ganz viel Zeit dafür. Ein buntgemischtes Kindervölkchen, multikulti, macht mict mir Musik, Bewegung, Kunst...  Und hierin möchte ich meine Energie in den nächsten Jahren stecken, denke ich. Und gern an andere Kolleginnen weitergeben, was mich daran so fasziniert. 

Zu meinem Sohn, der jetzt 16 Jahre alt ist, habe ich immer wieder gesagt: "Wähl nur einen Beruf, ein Studium, wenn du dafür brennst. Sonst lass es lieber! Aber wenn du dafür brennst, dann geht auch immer irgendwie weiter!" - und dann, habe ich gedacht, kann ich doch nicht das Gegenteil machen, oder? 
Die neue Arbeitsstelle macht wirklich Spaß, ich geh gern dort hin. Das Team ist gut, es ist eine gute Atmosphäre dort. Ich darf meine Talente einbringen und ich bin so dankbar, dass es so ist, wie es ist. Mit weniger Verantwortung einerseits und mehr Hingabe an andre Bereiche andererseits. Ich bin froh, dass ich den Mut aufgebracht habe laut Stopp, Hilfe, wo bitte ist der Notausgang?!! zu rufen. Dass ich das Hamsterrad angehalten habe. Und rausgesprungen bin.
Meine kreativen Energien brauch ich derzeit für die Vorbereitung meiner Rhythmikstunden... und das macht irre Spaß! - darum ist es hier im Blog etwas stiller geworden.
Ich möchte mit diesem Beitrag andre ermutigen, die für sich selber ähnliche Gedanken bewegen.
Für mich war es richtig und wichtig, eine Antwort auf die Frage oben zu finden. Und dann auch danach zu handeln. Und ich bin fröhlich gespannt, wie es nun weitergeht.

Seid herzlich gegrüßt, 


Sonntag, 10. November 2013

Eile mit Weile

MONTAGsGRUSS

"Ma' eben" sagt man in meiner Westfälischen Heimat, "g'schwind"im Schwäbischen, "nur noch kurz" sagt das Gleiche aus. Ich geh noch g'schwind in den Keller, ich häng nur noch kurz die Wäsche auf, würdest du mir ma' eben dies oder jenes ....

Genug. Ab jetzt wird gestreikt.

Mir ist nämlich aufgefallen, wie häufig wir hier bei uns zu Hause die Dinge "g'schwind", "ma'eben" und"nur noch kurz" tun. Oder besser: gern tun würden.  "Ich bring noch kurz den Müll runter" - "Ich häng mal g'schwind die Wäsche auf." - 
Aber dann stelle ich fest: es braucht eben doch seine Zeit, es geht ja gar nicht "g'schwind".
Ich habe mich gefragt, was eigentlich hinter diesen eiligen Wörtern steckt.
Ist es so, dass ich die lästige Arbeit am liebsten Ruckizucki erledigt hätte? Klar, es gibt ja auch Schöneres als das Wäsche-aufhängen, das den-Müll-runter-bringen, das Staubsaugen und und und.
Das mach ich dann doch lieber "ma' eben" - wenn ich es schon machen muss. Und ich hoffe dabei, es verbraucht nicht so viel von meiner (freien) Zeit. Ausserdem sind es ja alles Tätigkeiten, die beinahe so nebenbei gemacht werden können. Oder etwa nicht? 
Ja, wenn es denn auch so wäre, wär's ja schön.
Doch leider, leider: alle diese Tätigkeiten brauchen nun einmal die Zeit, die sie brauchen. Ganz egal ob ich sie angeblich "nur noch kurz" oder  in normalem Arbeitstempo abarbeite. 
Und ich merke, dass mich diese eiligen Worte unter Druck setzten. Am Ende des Tages bin ich ein bisschen frustriert, denn was habe ich schon heute erledigt? Nur hier ein bisschen ma' eben und dort nur mal kurz und hier noch was g'schwind, was war denn das schon?
Darum sage ich seit einiger Zeit, ganz bewusst, möglichst nicht mehr "ma'eben", sondern ich hänge die Wäsche auf, solange, wie es braucht, bis der Korb leer ist und die Wäsche hängt. Wenn mein Mann "g'schwind" noch in den Keller geht, dann schick ich ihm ein liebevolles "lass dir die Zeit, die es braucht!" hinter her.
Ich bin zufriedener, es geht mir besser damit, wenn ich diese eiligen Worte ganz bewusst vernachlässige. Ich stelle fest, dass ich jetzt mehr bei dem bin, was ich tue. Nicht langsamer, aber bewusster. Und ich habe Zeit, das zu würdigen, was ich tue.


In diesem Sinne -
seid gut zu eurer Zeit-
denn sie gehört euch!