Montag, 22. Februar 2016

Wichtelwunder im Februar

Schneegeheimnisse... 

Als ich heute in das Blumenbeet schaute, stapfte da, ganz versonnen lächelnd, zwischen den  Schneeglöckchen, ein kleiner, grüner Wichtel umher. Er flüsterte den geschlossenen Blütenköpfen leise Wichtelworte zu, strich mal hier und mal da behutsam mit der kleinen Hand über eine Knospe. Das Laub raschelte kaum vernehmbar unter seinen kleinen Füßchen. 
Ich ging in die Knie, hielt den Atem an und schaute ihm bei seiner Arbeit zu. Denn was sollte es wohl anderes sein, was ich hier beobachten durfte, als die geheime Arbeit eines Schneeglöckchenwichtels...


Als er mich sah, hielt er inne. Aug in Aug standen wir voreinander. Hatte mein Erscheinen ihm Angst gemacht? Würde er verschwinden? Aber nein! Er lächelt weiter, legte den Kopf ein wenig schief und bedeutete mir mit seiner kleinen Hand, doch etwas näher zu kommen.


"Weißt du, wie der Schnee seine Farbe bekam?" fragte er unvermittelt.
Ich schüttelte den Kopf, "Nein, das weiß ich nicht. War er denn nicht schon immer so weiß?" fragte ich erstaunt.
- "Ach, woher denn?!" er schüttelte den Kopf. "Natürlich nicht. Zu Anfang war er durchsichtig. Ganz und gar durchsichtig. Und kalt natürlich. Und das war so:
Als alles auf der Welt geschaffen wurde, da bekam es seine Farbe. Die Steine, der Sand, das Gold, die Edelsteine, die Pflanzen und die Tiere. Wie nun aber der Schnee vor den Schöpfer trat und auch eine Farbe begehrte, da, oh, Schreck, gab es keine Farbe mehr für ihn. Alle Farbtöpfe waren bis auf den letzten Rest leer, es klebte auch nicht mehr die geringste Farbe an einem der Pinsel. Wie traurig wurde da der Schnee. "Soll ich denn unsichtbar bleiben, wie der Wind, der durch die Täler heult?" jammerte der er. Aber da war nun nichts mehr zu machen. So ging der Schnee schließlich zu den Blumen, denn sie hatten doch die prächtigsten Farben bekommen. Er bat die Rosen, ob sie ihm ein wenig von ihrer Farbe abgeben möchten. Aber die stolzen Rosen wetteiferten untereinander selber, wer die Schönste sei, da war auch nicht eine, die etwas von ihrer Farbe abgeben wollte. Er fragte das Veilchen, aber das wandte sich nur ab. Wen er auch fragte, jede schickte ihn fort. Da kam er schließlich zu einem kleinen weißen Blümchen, dessen Blütenkopf einem Glöckchen glich. Der Schnee, war nach der vielen Fragerei schon ganz erschöpft und mutlos und er jammerte das Blümchen sehr. "Würdest du denn von meinem Weiß etwas nehmen wollen?" fragte es den Schnee zaghaft. Der Schnee nickte matt, ja das würde er gern. Da kratze das Blümchen ein wenig, ganz  wenig von dem Weiß an seinem inneren Blütenkelch ab und gab es dem Schnee. Und von Stund an und für alle Zeiten hatte der Schnee seine Farbe erhalten, er war nicht mehr unsichtbar, er war nun weiß! Und wie er sich das freute!
An der Stelle, an der das Blümchen von seiner weißen Farbe abgekratzt und dem Schnee gegeben hatte, schimmerte es grün. Und so ist es bis heute geblieben, schau nur einmal nach, wenn du ein solches Blümchen siehts. 
Der Schnee war fortan gut Freund mit dem Blümchen, und er teilte mit ihm als Dank seinen Namen: das Blümchen hieß fortan Schneeglöckchen. Er tut ihm kein Leid an, wenn er auf das Blümchen fällt. Den andren Blumen aber ist er für immer böse, er beißt sie mit seiner Kälte, wenn er sie sieht.
So, nun weißt du, woher der Schnee seine Farbe und das weiße Glockenblümchen seinen Namen hat. Und auch, warum an seinem Blütenkelch ein wenig grün hindurchschimmert!"
Ich lächelte ihm zu. "Danke, du Lieber! Danke, für deine wunderbare Erzählung. Das werde ich gewiss nie vergessen und bei jedem Schneeglöckchen schauen, ob es das Zeichen dieser Freundschaft trägt!"
Er nickte mir zu, dann wandte er sich wieder den kleinen, freundlichen Blümchen zu.
Und ich dachte: ich habe sie schon immer besonders geliebt, diese kleinen zarten Blumen, die das erste Zeichen der Hoffnung sind, auch wenn es noch kalt ist.


Hier sind sie noch einmal vereint, der Eiszwerg von Januar und der Schneeglöckchenzwerg vom Februar. Das Märchen habe ich für euch frei nacherzählt, es ist auch unter der Titel "wie der Schnee seine Farbe bekam" zu finden. 
Die Farben des Schneeglöckchenzwerges sind Hellgrün und Weiß (Körper) , die Schuhe sind Erdbraun. Beide Wichtel haben bereits ihre Reise angetreten und sind gut angekommen, ich freu mich!

Wer so einen Wichtel, oder ähnliche, stricken möchte, findet die Anleitung im Buch 
"Zwerge" - im Verlag freies Geistesleben.
Wer gerne einen hätte, aber nicht stricken kann und niemanden findet, der es für ihn machen kann, darf mir gern eine Email schreiben. Ab und an habe ich Zeit und kann einen Zwerg auf die Reise schicken.

Habt eine feine Zeit,

Kommentare:

  1. so eine entzückende- ja fast lebensnahe Geschichte liebe Jule, ganz ganz süss und so schön erzählt, ich kannte sie noch nicht und bin davon überzeugt würde ich sie beim nächsten Leseabend mit einsetzten und erzählen, käme viel Beifall und Kommentar....herzlichst Angel...ganz entzückt!

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    1. Danke !! Schön, dass es dir gefallen hat. Man kann im Internet einige Versionen des Märchens finden, oder auch in diversen Märchenbüchern. Ich hab mich einfach für das freie Nacherzählen entschieden...
      liebe Grüße, Jule

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  2. Herzerwärmend .... immer wieder schön sind Deine Geschichten!
    Lieben Abendgruß

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  3. ach wie schön die geschichte ist,richtig herzerwärmend,ich libe wichtel und ihre geschichten.
    mein wichtel hat noch eine frau dazu bekommen,ihr gesicht ähnelt ernie aus der sesamstrasse *LOL*aber es haben sich alle leser von mir ein weiblichen wichtel gewünscht.
    dein kleiner wichtel ist so drollig,es macht spass sie zu stricken finde ich.


    lieben gruß jeannette

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  4. ...eine zauberhafte Geschichte...danke, herzlich, marit

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  5. Wir können sehr froh sein, dass die Rose und das Veilchen abgelehnt haben. Ich stelle mir gerade sehr lebhaft eine violett bedeckte Natur vor.
    Das Schneeglöckchen ist eben sehr besonders und so ist alles gut.
    Ein ganz süßer ist der Februarwichtel, wie er so neben der einzelne Blume steht.
    Liebe Grüße

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